Ökumenisch in Langwasser

Die Zukunft gestalten

In seiner zweiten Sitzung am 21. Mai 2021 zeichnet der Projektbeirat Perspektiven für die Ökumene in Langwasser im Jahr 2030 auf und diskutiert einzelne Schritte dorthin.


Zu Beginn der Sitzung befassen sich Beteiligten nochmals mit den Strukturen der beiden Projektpartner. Wer muss zur Ratifizierung von Entscheidungen welche Wege gehen?

Struktur Organigramm Dienstwege der Projektpartner

Auf katholischer Seite führt der Dienstweg direkt ins Generalvikariat. Zur Entscheidungsfindung in den Gremien geht eine Vorlage über den Pfarrgemeinderat bzw. die AG4KV in die vier Kirchortsräte bzw. Kirchenverwaltungen und wieder zurück. Nach der für Ende 2022 angestrebten Fusion zu einer gemeinsamen Pfarrei verkürzen sich diese Wege auf den Pfarrgemeinderat und eine gemeinsame Kirchenverwaltung.

Auf evangelischer Seite liegt die Entscheidungsbefugnis beim Langwasserausschuss, gebildet aus Vertretern der vier Kirchenvorstände. Die einzelnen Kirchenvorstände haben jedoch ein Vetorecht. Der Dienstweg führt über die Dekanin und die Regionalbischöfin in die Landeskirche und wieder zurück. Zusätzlich sollte das Kirchengemeindeamt Nürnberg rechtzeitig in den Informationsfluss eingebunden werden.

Ökumene zum Strahlen bringen

Nach Klärung dieser Rahmenbedingungen befasste sich der Projektbeirat schließlich mit seiner eigentlichen Aufgabe und suchte nach Wegen, die Ökumene in Langwasser zum Strahlen zu bringen.

Die Ausgangslage scheint auf den ersten Blick eher eine Schieflage zu sein. Bei beiden Projektpartnern stehen starke finanzielle Einschnitte an. Darauf reagiert die evangelische Kirchenleitung mit Vorgaben zu Stelleneinsparungen um ein Drittel und fordert eine Überarbeitung des bewährten Raumkonzeptes. Für die Katholiken lautet die Lösung „Aus vier mach eins“, indem sie ihre vier Kirchorte zu einer einzigen großen Pfarrei zusammenführen.

Im Augenblick ist somit jeder Projektpartner mit sich selbst beschäftigt. Hinzu kommt die ungleiche Ausgangssituation in Bezug auf Kapazitäten im Team der Hauptamtlichen sowie die unterschiedlichen Erfahrungen bzw. die eingespielte Routine auf evangelischer Seite, was die überregionale Zusammenarbeit angeht.

Ein ziemliches Gewicht, das die beiden Teamplayer in das Projekt „Vertiefte Ökumene in Langwasser“ einbringen. Bleibt da überhaupt noch Luft für die Ökumene? „Unbedingt“, so die einstimmige Meinung der Sitzungsteilnehmer, „denn wir wollen unsere Zukunft gestalten, nicht den Untergang verwalten“. Und schließlich bringt das Projekt selbst ja auch einiges ein, um die Lage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Denn jetzt gibt es Projektmittel und eine Projektleitung, mit deren Hilfe man ausloten kann, was sich ökumenisch trägt und wie die Zukunft der Kirchen in Langwasser aussehen kann.

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So sehen beide Projektpartner in dem Projekt eine Chance, sich Erleichterungen zu verschaffen, indem einzelne Aufgaben in die ökumenische Waagschale gegeben werden oder man sich von Überflüssigem befreit. Mit ein bisschen Geschick lässt sich mit den vorhandenen Projektmitteln durchaus die ein oder andere Idee umsetzen und somit Erfahrungen in ökumenischer Zusammenarbeit sammeln. Und Ideen gibt es genügend, wie das Ökumenische Forum im April bereits gezeigt hat.

Perspektive 2030 / Agenda 2023
Brainstorming, unsortiert, ohne Wertung und Diskussion

Mit diesen Impulsen gingen die Beiratsmitglieder in eine Brainstormingrunde und zeichneten eine realistische Perspektive, wie Ökumene im Jahr 2030 in Langwasser strahlen kann. Ergänzt wurden die gelben und weißen Perspektivenkärtchen durch blaue Bausteine, die die einzelnen Schritte auf dem Weg zum jeweiligen Ziel symbolisieren: Was kann in der Projektlaufzeit bereits angegangen werden, bzw. bereits umgesetzt sein? Auf diese Weise soll sich nach und nach eine Agenda 2023 entwickeln.

Möchte man noch während der Projektlaufzeit ein sichtbares Ergebnis vorweisen, bietet sich hierfür nach einhelliger Meinung aller Beiratsmitglieder zunächst eine zentrale Anlaufstelle an. Hier lassen sich konkrete Erfahrungen sammeln, wie Organisation und Administration auf ökumenischer Ebene funktionieren kann. Das sind wichtige Voraussetzungen für eine mögliche Zusammenführung zu einem gemeinsamen Büro in einigen Jahren. Zudem fördert ein gemeinsames Projekt das Kennenlernen und gegenseitige Verständnis aller Beteiligten. Da für eine Probephase die Einrichtung der Anlaufstelle ohne weitere finanzielle Beteiligung der beiden Projektpartner erfolgen soll, könnte deren Umsetzung zeitnah erfolgen. Nach Ansicht der Diskutierenden sollte eine Projektgruppe mit der Ausarbeitung eines Konzeptes betraut werden. In welchen Schritten dieses Projekt unter Einbeziehung der verschiedenen Gremien angegangen werden kann, wird in der nächsten Beiratssitzung besprochen.

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit konnten bei dieser Sitzung des Projektbeirates weitere Perspektiven und einzelne Schritte dorthin nur andiskutiert werden. Das nächste Treffen ist für den 1. Juli 2021 angesetzt.

Ilona-Maria Kühn, 28.05.2021

* gelb: als machbar eingestufte Projekte; weiß: als Vision eingeschätzte Ideen; blau: Bausteine auf dem Weg dorthin

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